Aristoteles – Metaphysik – Form und Materie

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Daniel
verzweifelt ein bisschen an Aristoteles

Aristoteles – Der Logiker – Folge 14

Heute kommt es zu einem der größten Twists der Philosophie-Geschichte. Es geht um die Entwicklung des aristotelischen Spätwerks Metaphysik und seine Auseinandersetzung mit sowohl seinem Frühwerk als auch mit seinen philosophischen Vorgängern. Aristoteles  entwirft hier die Form-Materie-Distinktion, wonach die Form das strukturgebende Prinzip ist, welches einer Stoffmenge erst ihre wesentliche Einheit verleiht. Damit nähert er sich paradoxerweise wieder der Ideenlehre seines Lehrers Platon an. Wie er sich dennoch von Platon unterscheidet und in welche begriffliche Schwierigkeiten und Widersprüche er gerät: darum geht es in dieser Folge!

 

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Transkript

Hallo mein Name ist Daniel und ich möchte euch von Philosophie erzählen. Genauer gesagt spreche ich heute über Form und Materie bei Aristoteles.

Was bisher geschah

Uiuiui, heute wir es spannend. Damit ihr die Tragweite der heutigen Folge versteht, brauchen wir noch einmal ein kurzes „Was bisher geschah“. Die Vorsokratiker fingen an, sich zu fragen, was das Prinzip der Welt ist. Etwa Thales, der mit dem ganzen Blödsinn zumindest in der griechischen Variante angefangen hat: Er sagte, die Welt ist aus Wasser entstanden.

Kleine erste Abschweifung: Was vor Thales kam und an Ideen und Konzepten in anderen Teilen der Welt schon existierte, hat der Podcast Geister sehr schön behandelt.

Jedenfalls begannen die Vorsokratiker schnell damit, von Konkreta auf Abstrakta überzugehen, auf Prinzipien, die nicht mehr mit den Sinnen wahrnehmbar sind. Denn das sinnlich Wahrnehmbare in unserer Welt ist immer veränderlich und damit auch vergänglich. Folglich kamen sie auf die Frage, was denn unbewegte, ewige Ursachen dieser vergänglichen Dinge sein könnten.

In dieser Tradition stehend, begann Sokrates – ohne inhaltlich nach metaphysischen Prinzipien zu fragen – sich auf die Suche nach dem Allgemeinen in allen Dingen und Fragestellungen zu begeben. Platon entwarf dann als Antwort auf die Frage seines Lehrers Sokrates, was das Allgemeine ist, seine Ideenlehre. Der junge Aristoteles, selbst Schüler in Platons Akademie, glaubte nicht, dass es Ideen oder Formen für die Dinge gibt, die quasi in Regalen rumstehen und mit denen Einzeldinge verglichen werden.

Er antwortete auf Platon damit, dass er eine Einzelding-Ontologie entwarf, wonach die Einzeldinge dieser Welt und nicht die Universalien das eigentlich Existierende sind. Doch im Rahmen dieses Konzeptes von Substanzen und Eigenschaften ließ sich nicht endgültig klären, was dieses komische Allgemeine von Sokrates nun ist. Warum das wichtig ist? Hier der Gedankengang: Wenn ich Wissenschaft betreibe, dann interessiert mich ja gerade nicht, was zum Beispiel diese einzelne Katze macht. Ich will herausfinden, was im Allgemeinen das Verhalten von Katzen ist. Und das kann ich letztlich nicht an Einzeldingen bestimmen. Ich muss also die Frage nach dem Allgemeinen stellen.

Und genau das ist ja die Frage, die Ari von Sokrates vererbt wurde. Welchen ontologischen Status das hat, was allen Dingen der gleichen Art gemein ist? Darin steckt dann nämlich auch die große Frage der Vorsokratiker: Was sind die ersten Ursachen oder Prinzipien der Dinge?

Was sind die ersten Ursachen oder Prinzipien der Dinge?

Im berühmten Buch Metaphysik aus Aristoteles‘ Spätwerk macht er sich daran, dieses Problem zu lösen. Ari will hier die Prinzipien und Ursachen der Substanzen oder des Seienden, sofern es seiend ist, untersuchen. Und diese Untersuchung beginnt der Philosoph, indem er noch einmal ganz grundsätzlich fragt: Was bedeutet das eigentlich, dass die Metaphysik die Wissenschaft des Seienden als Seiendes ist?

Seine Antwort: Das heißt, dass diese Wissenschaft nicht nur einen Ausschnitt an Dingen untersucht (wie das etwa Physik oder Biologie tun) sondern alle Dinge, die sind. Und sie untersucht sie nicht mit Blick auf eine Teil-Frage, wie es die Einzelwissenschaften machen. Biologie und Physik können beide das gleich Objekt untersuchen, etwa die Erde. Sie tun es dann mit Blick auf verschiedene Aspekte ihres Sein. Die Biologie untersucht die Erde als Biosphäre, die Physik hingegen als Himmelsobjekt. Doch die Metaphysik kann sich eben nicht nur auf einen Teilaspekt des Seins beschränken. Sie untersucht das Sein darauf hin, inwieweit sie seiend sind.

Das Problem an dieser Fragestellung ist aber: Es gibt viele verschiedene Verwendungen des Wortes „sein“. Ganz in der Tradition von Sokrates untersucht Ari also diese Verwendungsweisen und sucht nach dem ihnen Gemeinsamen. Er sagt: Manches, was seiend ist, ist an sich und selbständig seiend. Das sind die Substanzen. Substanzen sind konkrete Einzeldinge im Unterschied zu Eigenschaften: Dieses Buch, Dieser Federstab, diese Kaffeetasse. Ich sprach darüber in der letzten Folge zu Aristoteles Metaphysik. Anderes ist nur in Bezug auf die Substanzen seiend. Das sind die Eigenschaften oder Universalien. Es gibt Rot nur insofern, als dass es Einzeldinge gibt, die rot sind.

Substanzen als Untersuchungsobjekt

Ari hat also geklärt, dass die Substanzen die Untersuchungsobjekte einer Wissenschaft des Seienden sind, denn nur sie seien selbstständig seiend, ohne dass sie auf etwas anderes angewiesen seien. Aber Wissenschaften zielen auf das Erfassen von Ursachen und Prinzipien ab. Wenn ich Wissen von X haben will, dann muss ich die Ursachen und Prinzipien von X kennen. Wenn ich beispielsweise wissen will, was Abseits im Fußball ist, dann will ich nicht nur wissen, was Abseits in einer bestimmten Situation ist oder in einer Reihe von Situationen. Ich will immer wissen, was Abseits ist in jeder möglichen Spielsituation. Ich will das Prinzip Abseits verstehen. Daraus folgt, dass es in der Wissenschaft vom Seienden um die Ursachen und Prinzipien von Substanzen gehen muss. Soweit ist das nachvollziehbar, oder? Und zwar nicht um die Prinzipien einer einzelnen Substanz, sondern um die Prinzipien aller Substanzen.

Nicht vergessen, wir fragen noch immer mit Sokrates: Was ist das Allgemeine und startend mit Aris Metaphysik aus dem Frühwerk, in der er sich auf die Einzeldinge als das eigentlich Existierende konzentrierte, erkennt er jetzt, dass er gewissermaßen einen doppelten Layer der Verallgemeinerung braucht. Einerseits ist ein Einzelding wie diese Fernbedienung nicht das Prinzip der Fernbedienungen und andererseits gibt es noch die Frage, was allen Prinzipien gemeinsam ist: Also dem Prinzip der Fernbedienung, der Handcreme, des Notizbuches und und und.

Und hier hat Ari noch einen Gedanken, der später noch wichtig werden soll: Wir stehen vor der Schwierigkeit, dass die Prinzipien einerseits, wie es scheint, etwas Potentielles sein müssen, weil die Möglichkeit der Wirklichkeit vorangeht. Kennt ihr diesen Typ auf Social Media, der aus allen Lego-Sets immer Millenium-Falken bastelt? Er nimmt etwa ein König-der-Löwen-Set und hat am Ende einen Millenium-Falken in Gelb- und Brauntönen. Er erkennt also in jedem Legoset die Möglichkeit des Millenium-Falkens. In diesem Sinne geht die Möglichkeit der Wirklichkeit voraus.

Zurück zu Ari: Der sagt, Prinzipien müssen deshalb Möglichkeiten sein – so haben uns das die Vorsokratiker vorgedacht – weil sie immer am Anfang stehen. Wir wollen  ja wissen, was allem zugrunde liegt. Andererseits müssen Prinzipien aber auch mehr als reines Potential sein, sie müssen aktuell existieren, denn genau das bedeutet ja „Sein“. Sein ist Existenz (zumindest in einer Verwendungsweise des Begriffs) und da Sein der Untersuchungsgegenstand der Metaphysik ist, muss es also um etwas real existierendes gehen.

Erste Substanz ist nicht das Einzelding

Ari schaut sich jetzt erneut an, was die Philosophen vor ihm gesagt haben. Viele vorsokratische Naturphilosophen gingen davon aus, dass physische Objekte die Prinzipien sind. Dem gegenüber stand eine andere Tradition, allen voran Platon, die sagte, dass es außer den physikalischen Dingen – der Materie – noch andere Formen gibt, die nicht-stofflicher Natur sind und das sind die eigentlichen Prinzipien. Aristoteles steht also grübelnd vor diesen beiden Traditionslinien und fragt sich: Was ist denn nun das Sein? Form oder Materie?

Ich weiß, meine Einleitung ist für die Verhältnisse dieses Podcasts/Kanals schon außergewöhnlich lang. Aber ich will einfach, dass ihr die Tragweite des Rätsels versteht, vor dem Aristoteles steht: Wir haben eine mehrfach vertrackte Ausgangslage, der er mit seiner eigenen früheren Theorie nicht gerecht werden konnte und von der er meint, sie nur erfassen zu können, wenn er noch einmal ganz anders an das Problem herangeht.

Und an dieser Stelle kommt jetzt ein Twist von so enormer Tragweite, dass ich auf eine Verfilmung durch M. Night Shyamalan oder David Fincher warte. Ari macht hier nicht weniger als eine 180° Wende:

Er sagt: Ursache oder Prinzip der Substanzen muss eine Erste Substanz sein.

„Aber Aristoteles: Was könnte die erste Substanz sein?“

Und Aris Antwort lautet:

Erste Substanz ist nicht das Einzelding, sondern das … wait for it … Eidos. In andere Worten: Die Idee.

Das ist ganz schön krass! Nachdem der junge Ari die ganze Zeit predigte, dass die Ideenlehre doof ist und Platon Unrecht hatte, scheint der alte Ari geläutert zu sein und zu sagen: Jepp, mein oller Lehrer hatte doch recht.

Dieser Widerspruch ist so eklatant, dass sich ein nicht unbedeutender Teil der Aristoteles-Forschung darauf konzentriert, ihn aufzulösen. Dabei gibt es die unterschiedlichsten Positionen. Dieser Widerspruch führte dazu, dass manche Forscher behaupten, sein Frühwerk – die Kategorien – stammten gar nicht von Ari. Manche sagen: Jupp, der olle Ari schwenkt hier tatsächlich auf die Ideenlehre ein, die er nur marginal modifiziert. Bertrand Russel sagt, dass Ari nicht so der geile Philosoph war, sich öfter mal widersprach und man nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen dürfe.

Viele weisen aber auch darauf hin, dass man Eidos aus dem Altgriechischen auf unterschiedlichste Weise übersetzen kann: mit Idee, Art oder auch Form. Letzteres ist der Ausdruck, den man weithin in der Aristoteles-Forschung verwendet: Form.

Richard Rorty geht sogar soweit, dass wir gar nicht mehr sagen können, was Ari wirklich meinte. Denn der Sprachwandel habe uns schon viel zu weit von ihm weggetrieben.

Vielleicht wollte Ari auch gerade auf die Widersprüche aufmerksam machen, die mit Ontologie zwangsläufig einhergehen. Dass eine widerspruchsfreie Ontologie einfach nicht möglich ist.

Um meinen inneren Monk zu beruhigen, werde ich in diesem Video/diesem Podcast mal von keiner dieser Thesen ausgehen, sondern Christof Rapp folgen, der versucht, die frühe und die späte Lehre unter einen Hut zu bringen.

Aristoteles‘ Terminologie

Aber hier muss ich noch einen kleinen hermeneutischen Schlenker einbauen und mich noch einmal dem widmen, was ich eben so unkritisch „erste Substanz“ genannt habe: Denn Ari verändert hier seine Verwendung von Ousia, dem griechischen Wort für Substanz.

In den Kategorien nannte er Konkrete Einzeldinge Substanzen, da sie Träger akzidentieller Eigenschaften sind. Diese Substanzen erkennt Ari auch in der Metaphysik weiterhin an. Aber es ist nicht so, als wäre die eben erwähnte erste Substanz irgendeine Substanz – also ein Einzelding, das Träger von Eigenschaften ist –, die einfach vor den anderen da war. So wie Thales das vom Wasser behauptet hat.

Stattdessen fasst Aristoteles den Begriff nun weiter: Neben den Substanzen aus den Kategorien, die Ari stets im Plural verwendet, bringt er in der Metaphysik nun den Substanz-Begriff ins Spiel, wie die Vorsokratiker ihn in ihren Texten gebrauchten. Wenn in der vorsokratischen Naturphilosophie bestimmte Elemente oder Materiepartikel als Wesen oder Prinzip der Welt bezeichnet werden, dann nennen die Vorsokratiker dies genauso Substanz wie es die Pythagoreer machen, wenn sie sagen, dass die Welt aus Zahlen aufgebaut ist. Diese Verwendung von Substanz taucht bei Ari stets im Singular auf. Also Substanz im Singular ist das zugrundeliegende Prinzip. Substanzen im Plural sind die Träger von Eigenschaften.

Puh, Aristoteles‘ Philosophie wäre tatsächlich klarer, wenn er sich einfach mal ein paar verschiedene Terminologien überlegt hätte, sobald er über verschiedene Dinge spricht. Taxonomie ist soooo wichtig und wird von sooooo vielen Philosophen sooooo gründlich versaut. Ja, ich schaue vorwurfsvoll zu die rüber, Heidegger!

Nur Substanz kan Prinzip sein

Ari fragt jedenfalls: Was kann denn Ursprung oder Prinzip der Substanzen #plural sein. Nur etwas, was selbst Substanz ist. Denn die Substanz ist selbständig und kann ontologisch nicht von etwas Nichtselbständigen abhängig sein. Das war ja der Spring- und Angelpunkt in den Kategorien. Wenn Platon also von der Röte oder der Größe an sich spricht, dann geht das dem späten Ari noch immer zu weit.

Jedenfalls folgert Ari, daraus, dass die erste Substanz #singular Ursache des Seins von Substanzen #plural sein muss. Aber er wehrt sich jetzt sowohl gegen diejenigen Vorsokratiker, die einfach irgendwelche Materie als Substanz #singular annehmen, als auch gegen Platon, der annimmt, dass die Substanz #singular etwas von den Substanzen #plural Verschiedenes ist, nämlich die Idee.  Ari meint stattdessen, dass die Substanz #singular in irgendeiner Form (Vorsicht Spoiler) in den Dingen liegen müsse, zugleich aber auch keine Materie sein könne.

Form-Materie-Distinktion

Was die erste Substanz #singular seines Erachtens wirklich ist, das erklärt Aristoteles mit der sogenannten Form-Materie-Distinktion. Die Substanz eines Dinges beschreibt demnach die notwendigen Eigenschaften, ohne die ein Einzelding aufhören würde, ein und dieselbe Sache zu sein. Fragt man: Was ist die Ursache dafür, dass diese Materieportion Sokrates ist?, so ist Aristoteles’ Antwort: Die Substanz von Sokrates.

Die Substanz ist aber kein weiterer Bestandteil der neben den materiellen Bestandteilen eines Dings existiert. Würden wir das annehmen, würden wir wieder bei den Ideen landen. Es bedürfte einer weiteren Erklärung – eines Strukturprinzips – um zu erklären, wie die Substanz mit den materiellen Bestandteilen vereint ist. Und es war einer der schärfsten Kritikpunkte von Aristoteles an Platon, dass der diese Ursache nicht erklären kann, die für die vermeintliche Verbindung zwischen den Ideen und den materielle Dingen führt. Was soll das für eine unsichtbare Schnur sein, die vom überhimmlischen Ort, an dem die Idee im Regal liegt, zum Konkreten Ding Katze, die schnarchend neben mir auf dem Sofa liegt, reicht? Die Substanz kann aber auch kein materieller Bestandteil sein (wie es die Vorsokratiker annahmen), sonst wäre nicht zu erklären, warum ausgerechnet ein bestimmtes materielles Ding die Substanz ist und die anderen nicht. Was soll diese Materie besonders machen? Bei der Beantwortung dieser Frage waren die Vorsokratiker immer wieder in Probleme hineingeraten.

Nehmen wir ein konkretes Einzelding wie dieses Smartphone. Die Idee des Smartphones ist nicht seine Substanz #singular, denn es ist etwas vom Ding verschiedenes. Aber die Materie aus der das Ding besteht (Glas, Silizium, Plastik, Metall) ist auch nicht die Substanz. Denn die gleiche Materie anders angeordnet könnte ein ganz anderes Ding ergeben.

Das, was das Smartphone zum Smartphone macht, ist nach Aristoteles die Form des Smartphones. Diese Form liegt in den Dingen selbst und macht ihre besonderen, wesentlichen Eigenschaften aus. Die Form des Smartphones ist das, was allen Smartphones gemeinsam ist. Form ist das, was einer bestimmten Menge Materie Einheit verleiht. Eine teleologische Einheit. Merkt euch den Begriff schon einmal, denn wir kommen darauf zurück.

Auch hier müssen wir wieder aufpassen, dass wir unsere alltäglichen Begriffe nicht mit Aristoteles‘ Fachterminologie durcheinander werfen. Wenn ich beispielsweise „die Form des Smartphones“ sage, dann ist damit nicht bloß gemeint, dass das Ding rechteckig ist. Vielmehr ist „Form“ bei Aristoteles viel mehr wibbly-wobbly-timey-wimey. Eben ein metaphysischer Begriff. Und dass er so unklar bleibt, ist einer der größten Kritikpunkte an seinem Konzept.

Was hat alles Form und Materie?

Bei Artefakten (von Menschen gemachten Dingen) ist die Form noch halbwegs verständlich. Hier sagt Aristoteles, dass die Form auch die formale Ursache im Geist der Produzentin ist. Also eine Pizza entsteht, weil die Pitzzabäckerin die Form dafür im Geist hat. Und Form meint erneut nicht einfach Kreis, sondern das Wissen darum, wie die Materie (Mehl, Wasser, Hefe, Tomatensoße, Mozarella, Salz und Gewürze) zum Ding Pizza zusammengefügt werden. Und diese Form steckt dann nach Aristoteles im fertigen Ding Pizza drin.

Aber auch natürliche Gegenstände und Lebewesen haben nach Aristoteles diese Form-Materie-Distinktion. Ein konkretes Einzelding wie Katze oder Stein bestehe aus Form und Materie. Allerdings sagt Ari in einem möglichen Widerspruch auch, dass die Form nichts ist, was entstehen und vergehen kann, und zugleich glaubte er, dass sie nicht losgelöst von den Einzeldingen vorkommt, wie Platon das von Ideen annahm. Wie soll das zusammenpassen. Bei einer Katze können wir uns das noch eher schlecht als recht mit der DNA der Katze zurechtbiegen. Aber was ist die Form des Berges?

Es gibt noch weitere Ungereimtheiten. Denn es macht immer mal wieder den Eindruck, als wäre die erste Substanz #singular der Metaphysik die zweite Substanz der Kategorien. Ich weiß nicht, ob ihr euch noch an die erinnert. Wie wiederholt gesagt: Der junge Ari legt in den Kategorien eine Metaphysik vor, die auf Einzeldingen aufbaut, muss aber zugleich das von Platon überlieferte Universalienproblem lösen. Also die Frage: Was ist denn die Katze an sich. Ari macht das ein wenig unelegant, indem er sagt: Ja, das ist auch eine Substanz. Aber eine Substanz zweiter Ebene, da sie abhängig von den ersten Substanzen #plural ist. (Schaut/hört noch einmal meine Folge zu Gattung und Art). Erneut möchte ich betonen wie wichtig eine gute Terminologie ist und wie viel verständlicher Ari wäre, wenn er mal verschiedene Begriffe verwendet hätte!

Hier noch einmal das Problem an einem Beispiel: Nehmen wir den Begriff „Mensch“. Wenn Ari von der Substanz Mensch spricht, kann er also entweder das meinen, was aus einem willkürlichen Materiehaufen das konkrete Ding Mensch macht, also die Form  oder er kann die Gattung Mensch meinen, die sich aus den Einzeldingen Mensch zusammensetzt.

Die Form ist der Materie einer Sache entgegengesetzt. Die Gattung hingegen ist etwas Allgemeines und die Exemplare einer Gattung sind aus Form und Materie zusammengesetzt. Sagt man „Sokrates ist ein Mensch“, dann meint „Mensch“ in diesem Satzzusammenhang Gattung. Es ist das Allgemeine. Aber das konkrete Ding Sokrates ist aus Form und Materie zusammengesetzt. Für Platon war beides – Gattung und Form – noch identisch: nämlich die Idee. Aber gegen diese Vorstellung wehrt sich ja Aristoteles.

Gegen eine Form als ein Allgemeines, das über den Einzeldingen, unabhängig von ihnen existiert (wie es die platonischen Ideen tun), spricht nach Ari, dass diese Idee nicht Ursache für das sein könne, von dem es getrennt ist. Die Form muss im Ding selbst liegen.

Ein Allgemeines im Sinne von Gattung und Art ist stattdessen etwas begriffliches, ein begrifflicher Bestandteil einer Sache. Ari meint, das könne nicht Substanz sein, weil es sonst eine Substanz innerhalb einer Substanz gäbe. Diese wäre dann aber nur Substanz eines Teils der Sache (hä?). Das spricht seiner Meinung nach auch gegen Materie als Substanz einer Sache. Ich brauche wirklich dringend Alkohol. Ist ein Negroni eigentlich eine Substanz in einer Substanz?

Einordnung von Arisoteles‘ Metaphysik

Ich weiß, das tut alles ein bisschen weh und wir können diese begrifflichen Schwierigkeiten nur verstehen, wenn wir uns immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass Aristoteles sich noch im ersten Paradigma der Philosophie bewegte. Für ihn gibt es nur die Welt als Untersuchungsgegenstand. Er hatte noch keinen Descartes und Kant gelesen und kam nicht auf die Idee, dass das Denken selbst ein Untersuchungsgegenstand sein könnte und der menschliche Geist die Welt möglicherweise nicht erfassen kann, wie sie ist. Und Ari hatte genauso wenig Ahnung, dass Bertrand Russell, Ludwig Wittgenstein und Konsorten auch noch die Medialität der Sprache aufs Tapet heben werden, um zu problematisieren, wie die unseren Blick auf die Welt verstellt.

Außerdem dürfen wir auch nicht mit der Arroganz des 21 Jahrhunderts auf Ari als irgendwie weniger schlau blicken. Denn unsere aktuellen Konzepte in der Philosophie sind nicht wenige problematisch als Aris Konzept hier. Zukünftige Generationen werden auf uns gucken und sagen: Lol, wtf?! Wie konnten die sowas glauben. Aber das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.

Dennoch muss am Ende die Kritik stehen, dass Aris Reise begann mit der Ausgangsfrage: Was ist das Allgemeine und seine Antwort am Ende lautet: Zumindest nicht die Form. Das ist wenig befriedigend. Schauen wir uns noch einmal alles an, was wir heute gehört haben:

Wir haben uns die Entwicklung des aristotelischen Spätwerks Metaphysik angeschaut und seine Auseinandersetzung mit sowohl seinem Frühwerk als auch mit seinen philosophischen Vorgängern. Während der junge Aristoteles zunächst konkrete Einzeldinge als die einzig wahre Realität ansah, widmet er sich in seinem Spätwerk der Suche nach dem Allgemeinen, das diesen Dingen zugrunde liegt. Er entwirft dabei die Form-Materie-Distinktion, wonach die Form das strukturgebende Prinzip ist, welches einer Stoffmenge erst ihre wesentliche Einheit verleiht. Damit nähert er sich paradoxerweise wieder der Ideenlehre seines Lehrers Platon an, verortet diese Formen jedoch direkt innerhalb der materiellen Objekte. Was Ari damit aber nicht verhindern kann, ist, dass er in begriffliche Schwierigkeiten und Widersprüche gerät.

Das war ein harter Brocken, daher hat es auch so lange gedauert, bis diese Folge erschienen ist. Ich hoffe, jetzt geht es wieder etwas schneller voran. In der Nächsten Folge zur Ontologie werden wir uns noch einmal im Detail das Verhältnis von Form und Materie angucken und Aris wirkungsträchtige Unterscheidung von Potentialität und Aktualität. Ihr könnt euch schon darauf freuen. Ich danke euch, dass ihr mir eure Zeit geschenkt habt.

Ich auf Social Media:

Philosophie-Videos:

Zur weiteren Recherche über Aristoteles:

Aristoteles – Die Kategorien *
Aristoteles – De Interpretatione *
Aristoteles – Erste Analytik *
Bertrand Russell – Die Philosophie des Abendlandes *
Christof Rapp – Aristoteles *
Otfried Höffe – Aristoteles: Die Hauptwerke *
Eduard Zeller – Die Philosophie der Griechen: Zweiter Teil: Sokrates, Plato, Aristoteles *
Herman Siebeck – Aristoteles *
Gottfried Martin – Einleitung in die allgemeine Metaphysik *
Wolfgang Detel – Grundkurs Philosophie Band 2. Metaphysik und Naturphilosophie *

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Problemwölfe und einfache Lösungen (angedacht)

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Daniel
ist ziemlich kompliziert

Nach langer Pause denke ich wieder an mit Problemwölfen und einfachen Lösungen

Ich habe mich anhand von Clips mit ein bisschen Sprachanalyse und der Tendenz, einfache Lösungen auf komplexe Probleme vorzuschlagen, beschäftigt. Ich zitiere in dieser Folge:

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Stoizismus und die Manosphere (mit Ralf von Deja-vu Geschichte)

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Daniel
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Ralf
ist selbstbestimmt

Was ist Stoizismus und warum ist er bei der Manosphere so beliebt?

Ralf von Deja-vu Geschichte schlug mir vor, über den Broizismus zu sprechen: Die eigentümliche Faszination der sogenannten Manosphere mit stoischer Philosophie. Das haben wir getan! Wir legen euch die Geschichte der Stoa dar, besprechen ihre Disziplinen und stellen euch die wichtigsten Thesen der stoischen Ethik vor. Danach besprechen wir, was eigentlich diese Manosphere ist. Auch hier gehen wir die historische Entwicklung durch und erklären die verschiedenen Strömungen. Zum Schluss fragen wir uns: Was ziehen diese Bros aus der Stoa? Und warum interessieren sie sich von allen philosophischen Schulen ausgerechnet für die Stoa?

 

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Aristoteles – Sophistische Widerlegungen – Kapitel 11

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Daniel
ist nicht streitsüchtig

Als Dankeschön für einen Kaffee gibt es heute wieder Argumentationstheorie

In dieser Folge geht es um Kapitel 11 von Aristoteles‘ „Sophistischen Widerlegungen“. Es geht um Fehlschlüsse, die auf einem wahren Satz als Konklusion landen und um Schlüsse, die richtig aussehen, aber einen sophistischen Trick enthalten. Aristoteles spricht über logische Fehler und das Missachten der spezifischen Regeln der Einzelwissenschaften.

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Strohmänner, anekdotische Evidenz, Abduktion und Komplexität

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Daniel
ist komplex

Ich antworte auf eine Frage auf YouTube zur „trans Debatte“

Ein junger Mann schrieb mich auf YouTube an, ob sein Freund in einer Debatte um trans Menschen ein Strohmann-Argument verwendet hat. Ich finde, es ist komplexer als das …

Hier zum Strohmann-Video:

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Transkript (automatisch erstellt)

[0:03]

Einleitung

[0:00]Hallo, mein Name ist Daniel und ich möchte euch von Philosophie erzählen. Da bin ich wieder, nachdem ich Anfang des Jahres so motiviert war und regelmäßig publiziert habe, kam dann Leben dazwischen, was soll ich sagen. So ist es nun mal, ich mache das ja eben doch nur als Hobby und nicht irgendwie hauptberuflich und deswegen kann ich das auch nicht immer regelmäßig machen. Aber jetzt habe ich wieder so ein paar Sachen, wo ich hoffe, dass mal ein paar Folgen rauskommen. Aber ich will noch nicht zu viel versprechen. Erstmal diese eine klassische Angedacht-Folge. Und zwar habe ich auf YouTube of all places einen Kommentar bekommen zu meinem Video das Strohmann-Argument. Auf den wollte ich eingehen. Dazu möchte ich euch nochmal kurz in Erinnerung rufen, was denn das Strohmann-Argument überhaupt ist.
[0:51]Beim Strohmann-Argument versucht jemand einen Strohmann zu errichten, um gegen diesen zu argumentieren. damit er oder sie sich nicht mit dem tatsächlichen Argument auseinandersetzen muss. Durch den Strohmann wird der Eindruck erweckt, das Argument einer Gegnerin zu widerlegen, während tatsächlich ein anderes Argument unterstellt wird, das man dann zurückweist. Also in der Regel hat jemand ein sehr gutes Argument und da es schwer ist, dann dieses gute Argument zu widerlegen, tut man dann so, als hätte die Person
[1:23]

Das Strohmann-Argument

[1:19]eigentlich etwas anderes gesagt, nämlich den Strohmann, und argumentiert dann gegen diesen. Ich habe hier auch ein Beispiel in der Folge gehabt und zwar mal hier eins von den Grünen. Mir wird ja immer so ein linksgrüner Bias vorgeworfen, also nicht immer, aber das Argument kommt immer mal wieder, vor allem auf YouTube, aber auch in den Apple-Rezensionen und in den Spotify-Kommentaren. Kommentar. Apropos, wenn ihr mir mal auf Spotify fünf Sterne geben wollt, dann tut euch keinen Zwang an, da bin ich so ein bisschen runtergevotet worden in letzter Zeit. So, mein Beispiel war Christian Meier ist Fraktionsvize von Bündnis 90 Die Grünen im Landtag Niedersachsen, also War es zumindest 2017. Er twitterte 2017, laut BFR, also Bundesinstitut für Risikobewertung, können Sie kübelweise Glyphosat trinken. Ich würde das nicht tun, WHO.
[2:13]Laut dem Bundesamt für Risikobewertung liegt die Dosis, die lebenslang täglich ohne Gesundheitsrisiko aufgenommen werden kann, bei 0,3 Milligramm Glyphosat pro Kilogramm Körpergewicht. Nimmt man diese Menge lebenslang täglich mit der Nahrung auf, ergibt das ca. 8 Gramm über den Lauf eines Lebens.
[2:35]Da kann man also nicht von Kübelweise sprechen, mit anderen Worten, Herr Mayer hat hier einen Strohmann errichtet, dem Institut für Risikobewertung etwas unterstellt, was es nicht gesagt hat, um dann dagegen zu argumentieren.
[2:51]

Verschiedene Sophismen

[2:49]Jetzt zurück zu der Folge. Da habe ich, wie gesagt, einen Kommentar bekommen, den möchte ich euch mal gerade vorlesen. Der kommt von Vivaldi. Ich habe eine Frage. Letztens habe ich eine Diskussion mit meinem besten Freund. Er ist straight und ich bin gay. Er fing mit dem Thema an, dass halt überall LGBT-Flacken hängen und immer mehr Gays in Filmen auftauchen und das übertrieben ist und dass die ganzen Trans-Leute ihren Körper verstümmeln und sie sich akzeptieren sollen, weil sie es später bereuen würden. Ich sagte dann, hallo, wir kennen doch gar keine Transperson, woher willst du das wissen? Er meinte dann, er hat einen YouTuber gesehen, wie der ein langes Video darüber gemacht hat, dass er es so bereut, sich umoperieren lassen zu haben. Mein Argument war aber hauptsächlich, dass er die Transleute machen lassen soll, was sie wollen, weil das ihr Leben ist und wir noch nicht einmal welche kennen. Und dann fing er an mit, ja, die bereuen es und sie sollen ihren Körper akzeptieren. Das ist doch ein Stromann-Argument, oder? Denn den Leuten das Recht abzusprechen über ihren eigenen Körper und die werden es bereuen, sind zwei verschiedene Sachen.
[4:04]Ich habe dann darauf geantwortet, dass ich glaube, dass hier was anderes vorliegt, nämlich eine Mischung aus verschiedenen Sophismen. Zunächst argumentiert der Freund auf sogenannte anekdotische Evidenz. Er hat ein Beispiel gehört und meint jetzt, das ist immer so. Wenn er sich hingegen Statistiken angucken würde, würde er sehen, dass es beispielsweise viel mehr Heteros in Filmen gibt und dass es nur sehr wenige Menschen gibt, die eine Transition machen und das anschließend bereuen. In diese anekdotische Evidenz, die obendrein noch auf selektiver Wahrnehmung seinerseits beruht.
[4:40]Denn die ganzen Heteros in Filmen blendet er beispielsweise aus und Deutschlandflaggen oder Flaggen von Fußballvereinen sieht er auch nicht, er sieht halt nur die LGBT-Flaggen. Da rein mischt sich dann noch der Fehler der Abduktion. Er schließt von einem Einzelfall auf eine Regel. Er hat auf YouTube einen Transmann gesehen, der die Transition bereut. Daraus schließt er, dass alle Transmenschen das machen. Wenn man eine Münze wirft und sie landet auf dem Rand, dann würde man nicht daraus schließen, dass Münzen immer auf dem Rand landen. Das heißt, die Wahrscheinlichkeit besteht, dass das passiert, aber man kann nicht aus diesem doch sehr unwahrscheinlichen Fall auf eine Regel schließen. Erst wenn ich eine Münze tausendmal werfe und sehe, in nur sehr, sehr wenigen Fällen bleibt die Münze auf dem Rand stehen, kann ich daraus eine Regel folgern. Zu guter Letzt reduziert dein Freund die Komplexität. Er tut so, als könnten trans Menschen einfach zum Arzt gehen und sagen, bitte einmal alles operieren. In Wirklichkeit ist die Transition ein Prozess, der Jahre dauert. Diagnose, Therapie, Hormontherapie und erst ganz am Ende Operation und erst der allerletzte Schritt lässt sich nicht mehr rückgängig machen. In diesem Prozess sprichst du mit vielen ÄrztInnen und TherapeutInnen, die sich alle in ihrer Diagnose irren müssen.
[5:57]Mit anderen Worten, ich will nicht leugnen, dass es unter ungünstigen Umständen vorkommt, dass jemand wirklich eine komplette Transition durchläuft und erst am Ende merkt, einen Fehler gemacht zu haben, aber das ist sehr unwahrscheinlich. Der weitaus häufigere Fall ist, dass Menschen vorher sehr unglücklich waren
[6:19]

Quellen und deren Zuverlässigkeit

[6:16]und dann durch die Transition endlich zu ihrem wahren Selbst finden. Kommen wir zum Schluss noch zu der Quelle deines Freundes. Wie zuverlässig ist ein YouTuber, ein Mensch, der vermeintlich einen solchen fatalen Fehler gemacht hat, sich anschließend hinstellt und erzählt, alle Transmenschen verstümmeln sich? Das habe ich jetzt unterstellt, dass das in dem Video so gesagt wurde. Ich habe das Video nicht gesehen, die Quelle war nicht verlinkt, aber ich habe den Kommentar so interpretiert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass dieser eine YouTuber entweder über die eigene Geschichte lügt oder aus Verbittertheit Falschinfos verbreitet. Denn diese eine Person muss ja auch diesen Prozess durchlaufen sein und wenn sie das jetzt anders darstellt, so als könnten Kinder sofort sich umoperieren lassen, entschuldigt bitte diesen falteten Ausdruck, dann verbreitet diese Person einfach Lügen. Daraus sehen wir, das ist keine zuverlässige Quelle. Also ich habe hier ausgemacht eine anekdotische Evidenz eben im Grunde. Vorlesen fiel mir noch auf, da ist auch selektive Wahrnehmung dabei. Wir haben eine Abduktion. Eine Abduktion ist nicht unbedingt ein logischer Fehler, aber eben ein sehr, sehr unsicherer Schluss.
[7:24]Eine Abduktion machen wir jeden Tag, wir sehen etwas und schließen darauf eine Regel, aber im Normalfall gleichen wir das in der Zukunft immer wieder ab.
[7:34]Indem wir weitere Einzelfälle in unsere Beobachtung mit einbeziehen und dadurch wird dann aus der Abduktion eine Induktion, die ein normaler Schluss des Erkenntnisgewinnens ist. ist. Und dann noch die Reduktion der Komplexität. Also dieses Argument lässt sich überhaupt nur machen, weil das Thema selten ist und für viele Menschen verschlossen bleibt und sie deswegen nicht wissen, wie die Realität ist, sondern Meinungen weiter verbreiten, die einfach komplett unterkomplex sind. Falls ihr hier übrigens Geräusche hört, es ist meine Katze, die nicht akzeptieren kann, dass ich hier jetzt gerade mal was aufnehme. So, aber Aber jetzt hoffe ich, dass sie auf meinen Chancen ein bisschen ruhiger ist. Und die Quelle, also die Quellenprüfung, dass der Anschein bei mir entsteht, dass es sich um eine zuverlässige Quelle handelt. Ich habe beim drüber Nachdenken im Anschluss daran gedacht, vielleicht steckt da doch ein Strohmann drin. Dahingehend, dass hier Vivaldi ja das sehr gute Argument bringt, wir kennen gar keine Transmenschen, entsprechend redest du aus einer uninformierten Position heraus und dann der Freund diesen YouTuber anführt als vermeintlichen Beweis, dass er doch informiert ist.
[8:53]Da geht er eben gar nicht auf das Argument ein, dass er eigentlich keine Ahnung hat, wovon er spricht, sondern weicht aus mit so einem klassischen Quell-Internet-Beweis. Ich weiß nicht, ob es ein direkter Strohmann ist, aber es geht so ein bisschen in die Richtung. Da müsste ich mal drüber nachdenken. Aber es steckt ja auch noch ein medienteoretisches Problem darin. Denn Studien zufolge sind ca. 0,6% der Gesamtbevölkerung trans. Das heißt, du müsstest fast 200 Menschen kennen, um statistisch einen Transmenschen zu kennen, der oder die auch noch geoutet sein müsste. Das führt zu einer Situation, wo sehr viele Menschen nie in den Kontakt mit Transpersonen kommen und das wiederum führt dazu, dass das ganze Wissen,
[9:44]

Mediale Wahrnehmung

[9:41]was sie sich über Transmenschen aneignen, medial vermittelt ist. Und diese Situation, wo ich einfach in meinem direkten Lebensumfeld sehr wenig Informationen habe und nicht.
[9:55]Zudem möchte ich unterstellen, auch noch wenige Menschen die Motivation haben, sich da eingehend mit zu beschäftigen. Wenn man da eben keinen persönlichen Berührungspunkt im eigenen Leben hat, warum sollte man da gründlich recherchieren, dann ist das, was man über Transmenschen weiß, eben das, was man so aufschnappt. Und das besteht dann meistens aus einer sehr aufgeheizten medialen Debatte.
[10:19]Die Fakten absichtlich oder unabsichtlich falsch darstellt. Also das ist kein Sonderfall, sondern es gibt es ja bei vielen Themen, dass sie mir nur medial vermittelt begegnen. Also aus der Mediotheorie ist ja erstmal alles medial vermittelt, weil alles ist zum Beispiel sprachlich vermittelt. Aber es schachteln sich ja auch dann immer Medien in Medien in Medien und je komplexer diese Verschachtelung ist, desto weiter rückt der Sachverhalt in der Welt von mir weg und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich wirklich durchblicken kann, was die Wahrheit hinter diesem Sachverhalt ist. Wenn es also um den Preis von Butter im Supermarkt geht, dann kann ich einfach zum Supermarkt gehen und gucken, wie viel die Butter kostet und PolitikerInnen können mir sehr schwer Lügen erzählen. Wenn es aber eben um Transmenschen geht und sehr wenige Menschen in der Welt kennen die wirklich persönlich, fällt es sehr leicht, dass eben populistische
[11:18]Meinungen hier Falschinformationen verbreiten. Das waren meine Gedanken zu diesem Thema und mal seit langem wieder meine Angedacht-Folge. Ich hoffe, ihr konntet daraus was mitnehmen und ein Thema liegt auch schon fertig vorbereitet auf meiner Festplatt

 

 

Nachgedanken zur Anthropomorphisierung (mit Benjamin)

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Daniel
nach dem Denken
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Benjamin
denkt nach

Noch ein paar Gedanken zur Philosophie von KI

Mir ist beim Schnitt der letzten Folge aufgefallen, dass ich die große, die grundsätzliche Frage gar nicht gestellt habe: Soll man KI überhaupt menschliche Arbeit machen lassen? Oder soll man es lassen? Um darüber noch einmal nachzudenken, hat auch Benjamin noch eine Sprachnachricht geschickt. Zudem denken wir mit 404 Media darüber nach, ob wir nicht auch gewisse Kompetenzen durch den Einsatz von KI verlieren.

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Anthropomorphisierung (mit Benjamin und Christiane)

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Daniel
spricht über Philosophie
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Christiane
spricht über Psychologie
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Benjamin
spricht über KI

Zusammen mit den Host*innen von „Autonomie & Algorithmen“ spreche ich über die Vermenschlichung von KI-Systemen

Benjamin und Christiane von „Autonomie & Algorithmen“ sind zu Gast und wir fragen uns: Warum und in welcher Weise lesen wir menschliche Eigenschaften in künstliche Systeme wie etwa Large Language Models hinein. Wir klären, was der Begriff Anthropomorphisierung bedeutet, blicken in die Kultur-, Technik- und Wissenschafts-Geschichte und gehen den Psychologischen Grundlagen nach. Mit Daniel Dennetts „Intentional Stance“ stelle ich eine philosophische Theorie der Anthropomorphisierung vor und Christiane präsentiert mehrere psychologische Studien, die die Frage nach dem „Warum“ strategisch eingrenzen. Am Ende fragen wir noch nach der Moral von der Geschicht‘: Sollten KI-Systeme, Programme, Computer und Roboter menschenähnlich designet werden?

Quellen:

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Krise der Wahrheit

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Daniel
spricht die Wahrheit

Heute greife ich einen Teil aus meiner letzten Folge heraus, um weiter über die Krise der Wahrheit zu sprechen

In meiner letzten Folge zum Kapitel 10 der Sophistischen Widerlegungen stieß ich auf eine Stelle, in der Aristoteles darüber sinniert, was ist, wenn wir uns nicht einmal darauf einigen können, was ist. Darin sah ich ein Grundproblem unserer aktuellen Gesellschaft. Heute bringe ich euch zwei Podcast-Folgen mit, um das weiter auszuführen.

Ich zitiere in dieser Folge:

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Aristoteles – Sophistische Widerlegungen – Kapitel 10

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Daniel
widerlegt Worte und Sinn

Als Dankeschön für einen Kaffee gibt es heute wieder Argumentationstheorie

In dieser Folge geht es um Kapitel 10 von Aristoteles‘ „Sophistischen Widerlegungen“. Es geht um die Frage, ob eine Widerlegung sich auf die Worte oder auf den Sinn bezieht.

Ich zitiere dieses TikTok von @willyjamborree

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5 Red Flags der Philosophie

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Daniel
Flaggenträger

Zum Jahresbeginn fünf Philosophen, die (besonders in Kombination) eine Red Flag sind

Starten wir das neue Jahr mit einem Augenzwinkern: Ich teile meine Top 5 Philosophen, deren Werke für mich Red Flags sind. Von Hegels Weltgeist über Nietzsches Willen zur Macht, von Heideggers NS-Turteleien bis zu Dawkins’ übersteigertem Selbstbewusstsein und schließlich zu Jordan Petersons eindimensionalen Thesen. Meine These: Wer um Bücher dieser Denker seine*oder Sammlung aufbaut, ist problematisch. Ein paar honorable Mentions gibt es auch.

Ich zitiere dieses TikTok von @willyjamborree

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